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Ausfahrt ins Glarnerland

41 Frauen liessen sich am 24. September auf der jährlichen Frauenvereins-Reise mit dem Car nach Elm bringen. Bei schönstem Wetter fuhr unser netter Chauffeur Xaver punkt halb acht in Pfäffikon ab; bereits nach dreiviertel Stunden gab's in Benken einen Kaffeehalt. Elisabeth Scholl und Margrit Christinger hatten für unsere kurze Rast das total eindrückliche Bäckerei-Museum ausgesucht. Der Bäcker hat über viele Jahre alles gesammelt, das etwas mit Backen zu tun hat. Alte Knetmaschinen, Backformen, Osterhasenformen, Kellen und Wallhölzer und vieles, vieles mehr. Nach dem Staunen über die Vielfalt im kleinen, aber liebevoll präsentierten Museum fuhren wir ohne Halt weiter nach Elm.
In Elm begrüsste uns Herr Rhiner, der uns ausführlich über den tragischen Bergsturz von Elm im Jahre 1881 berichtete. Am Plattenberg wurde über viele Jahre Schiefer im Tagbau abgebaut. Am 11. September ereignete sich das Unfassbare – schon vor 133 Jahren war somit der 11. September ein Datum, das lange haften blieb... Damals, am Sonntagnachmittag um 17.15 Uhr, erfolgte der erste grosse Sturz. Gewaltige Felsbrocken rissen sich am hinteren Plattenberg los und stürzten pfeilschnell in die Tiefe. Da der Berg schon Tage zuvor arge Geräusche von sich gab, hatten die Menschen verschiedene Vorkehrungen getroffen. Schiefer wurde nicht mehr abgebaut und im Untertal wurde panikartig mit Ausräumen begonnen. Viele junge, kräftige Männer eilten den Leuten zu Hilfe. Nur 17 Minuten nach dem ersten Sturz krachte es von neuem. Der Plattenberg schien zu bersten. 114 Menschen verloren in den Felsmassen ihr Leben, sie und ihre Häuser sind unter tausenden von Tonnen Felsmassen begraben worden. Ganze Familien wurden verschüttet. Nach diesen erschütternden Infos besuchten wir mit Herrn Rhiner das Schiefertafel-Museum, auch da wusste unser Führer viel Spannendes zu erzählen. Bis 1984 wurden hier Jasstafeln in vielen Arbeitsgängen hergestellt. Doch früher erstanden in dieser kleinen, einfachen Werkstatt viele tausend Schiefer-Schreibtafeln für die Schulen Schweizweit. Auch die Schreibgriffel wurden in der näheren Umgebung abgebaut und hergestellt. Die Griffel sind ebenfalls aus Schiefer, aber aus einem weicheren Segment, sodass keine Kratzspuren auf den Tafeln entstanden. Etliche von uns Museumsbesucherinnern war das Geräusch, das man als ABC-Schütze beim Buchstabenschreiben auf diesen Schiefertafeln machte, noch in den Ohren. In der Hochblüte des Schieferabbaus wurde Schiefer aus Elm auch ins Ausland exportiert. 

Im Hotel Elm wurden wir mit einem feinen Mittagessen verwöhnt. Natürlich fehlten auch ein Kaffee und ein echtes Glarnerpastetli nicht. Nun waren wir alle gestärkt für die Dorfführung. 

Mit Frau Rhiner hatten wir eine engagierte Dorfführerin, wir merkten bald, wie sehr sie ihr Elm liebt, vieles weiss und packend erzählen kann. Elm liegt mitten im UNESCO-Weltnaturerbe Tektonikarena Sardona. Elm erhielt auch die Auszeichnung „Dorfbild mit nationaler Bedeutung“. 1981, 100 Jahre nach dem verheerenden Bergsturz, erhielt Elm den Wakkerpreis, dies erfüllt unsere Führerin zu Recht mit Stolz. 

Frau Rhiner wusste auch begeistert zu erzählen, dass bereits am 30. September und am 1. Oktober die Sonne wiederum durchs Martinsloch scheinen wird und ihre Strahlen auf den Kirchturm von Elm fallen werden. Die imposanten, sonnengegerbten und blumengeschmückten Holzhäuser in Strickholz-Bauart erfreuen jedermann, auch jeden der zahlreichen Touristen. Wir setzen unsere Dorfwanderung fort und gelangen zum General-Suworow-Haus. Im Oktober 1799 machte General Suworow mit einem Heer von 16‘000 Soldaten Halt in Elm. Die Soldaten waren hungrig, froren und waren total erschöpft. Sie schlachteten die Kühe der schon armen Bauern und verbrannten die Holzvorräte für den Winter. Es kamen aber keine Menschen ums Leben.  

Elm, das auf 1000 Meter über Meer liegt, hatte mit grosser Not und Armut zu kämpfen. Viele Menschen sahen im engen Bergtal keine Perspektive und entschlossen sich zur Auswanderung. Schon damals gab es „Wirtschaftsflüchtlinge“, aber in die andere Richtung als heute. 

Bereichert durch die spannenden Erklärungen unserer Führerin bestiegen wir abermals den Car und fuhren bei schönstem Sonnenschein nach Ennenda zur Schoggifabrik Läderach.  

In einem informativen Film sahen wir den Weg, den eine Kakaobohne zurücklegt, wie sie kontrolliert und verarbeitet wird und letztlich als leckere Luxus-Schokolade von Läderach begeisterte Anhänger findet. Mit einem kleinen Porzellanlöffelchen konnten wir von der flüssigen Schoggi kosten konnten. Im Shop fiel uns die Entscheidung schwer, was wir aus dem vielfältigen Angebot wählen und kaufen wollten. Jede Frau erhielt einen Gutschein von 5 Franken, so wurde das Einkaufen gleich noch verlockender. 

Nachdem alle Frauen, die meisten mit einer Tasche mehr oder weniger gefüllt mit Süssem, wieder im Bus sassen, fuhren wir zügig heimwärts nach Pfäffikon. Wir bedanken uns herzlich bei Elisabeth Scholl und Margrit Christinger fürs organisieren dieser wunderbaren Reise. Dank dem abwechslungsreichen Programm und dem Wetterglück war die diesjährige Frauenver-einsreise ein grosses Geschenk mit bleibenden Eindrücken, bei der auch das gemütliche Beisammensein nicht zu kurz kam.
 

Ursula Mock

 

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